Was 25 Feuerwehrleute im Essener Dom wissen wollen

Bau- und Kunstfachleute des Essener Doms haben Feuerwehrleuten am Montag die Besonderheiten der ältesten Gebäude der Stadt gezeigt – und ihrer bedeutenden Kunstwerke.

Uralte Architektur, komplizierte Zugänge: Die ältesten Essener Gebäude halten auch für Feuerwehrleute manche Überraschung bereit.

Damit die Feuerwehr im Ernstfall weiß, wo es im Dom lang geht, gibt es jetzt für alle Mitarbeiter der Hauptfeuerwache besondere Rundgänge.

Bei diesen Führungen stehen auch die Kunstschätze des Doms im Mittelpunkt und die Frage, was mit ihnen im Ernstfall passiert.

„Die Drehleiter kommt hier vorn in Stellung!“, ruft ein Feuerwehrmann auf dem Domplatz. Das schlanke Fahrzeug schlägt Vorder- und Hinterachse ein, wendet – und steht mit einer Bewegung direkt neben dem gotischen Kirchenschiff. Das steht kühl und fest wie in den meisten der vergangenen gut 700 Jahre, denn der Löschzug der Essener Hauptfeuerwache 1 ist heute nur zum Training zu Besuch. Doch wenn der Dom einmal brennen würde, würden die Feuerwehrleute von hier aus das Dach löschen. Und dass die Drehleiter ihren Weg über den Burg- bis auf den Domplatz findet – selbst wenn dort im Winter das Riesenrad steht – ist ein Ziel des Trainings.

Rund 25 Feuerwehrleute sind zu dieser ungewöhnlichen Dom-Führung angetreten – samt Lösch- und anderen Fahrzeugen: Auch beim Besuch im Dom bleibt die Truppe einsatzbereit. Eine Visite, bei der natürlich alle die Bilder von Notre Dame im Kopf haben, die Einsatzkräfte genauso wie Dombaumeister Ralf Meyers, die Domschatz-Leiterinnen Andrea Wegener und Daniela Krupp und Michael Hesters vom vorbeugenden Brandschutz der Feuerwehr. „Wir haben uns nach Notre Dame noch einmal intensiv mit den Experten der Feuerwehr zusammengesetzt und unsere Konzepte überarbeitet“, sagt Meyers. Ein Ergebnis steht jetzt vor ihm: Alle Feuerwehrleute der Wache 1 werden in den kommenden Monaten bei Führungen noch einmal vor Ort die besonderen Seiten des Doms kennenlernen. „Alle Gebäude hier sind 700 bis 1000 Jahre alt und enthalten Kunst von unschätzbarem Wert“, macht Meyers die Bedeutung des Doms deutlich – und verweist auf Paris: „Wir wollen hier im Ernstfall nicht 38 Minuten warten, bis die Feuerwehr voll zum Einsatz kommen kann.“

Über Steigleitungen fließt im Ernstfall Löschwasser in die Türme

Das wollen auch die Feuerwehrleute nicht. Deshalb zeigt Hesters seinen Kameraden auf der Rückseite des Doms, wo am Eingang zum Kreuzgang das grüne Blitzlicht hängt, das der Feuerwehr im Ernstfall den Weg zur Brandmeldezentrale neben der Domsakristei weist. Und er macht links und rechts vom Tor zum Atrium auf zwei Steigleitungen aufmerksam: Was für Laien wie Regenrohre aussieht, erkennen die Beamten als „Anschluss für A-Leitungen“: Hier könnten die Einsatzkräfte im Fall des Falles dicke Schläuche montieren und Löschwasser in die beiden Türme von Dom und Anbetungskirche pumpen. „Oben sind Sprinklerköpfe, die sich nur da öffnen, wo es brennt“, erklärt Hesters.

Einige Meter weiter kommt Domschatz-Chefin Wegener auf die Kunstschätze im Dom zu sprechen – allen voran die Goldene Madonna, „Essen sein Schatz“, die älteste dreidimensionale Marienfigur der Welt und „das bedeutendste Kunstwerk des Ruhrgebiets“, wie Wegener betont. Dennoch: Wenn es brennt, „wird die Goldenen Madonna möglichst nicht evakuiert“. Der Holzkern der Figur ist so fragil, dass sie zerbrechen würde, wenn man sie an der falschen Stelle berührt. Auch andere Kunstschätze im Dom – zum Beispiel der Siebenarmige Leuchter oder die Steinfiguren der Grablege Christi aus dem 16. Jahrhundert – könnten bei einem Brand nicht hinausgebracht und müssten deshalb von den Feuerwehrleuten so gut wie möglich geschützt werden. Immerhin: Wenn nur ein Teil der Kirche brennt, schützen Rußschutzdecken die Kunstwerke vor Dreck, Asche und der daraus entstehenden Säure. Wegener zeigt den Beamten, hinter welcher Säule oder Nische die Rußschutzdecken für jedes Kunstwerk versteckt sind. Anders sieht es nebenan in der Anbetungskirche aus: Die beiden mannshohen Altartafeln, die unter anderem Essens älteste Stadtansicht zeigen, können aus ihrem Metallrahmen gelöst und dann weggetragen werden. „Wir haben hier hinter den Bildern auch eine Leiter deponiert, die müssten sie also gar nicht erst mitbringen“, erläutert Wegener.

Stahldachstuhl über dem Dom-Gewölbe

„Das ist doch unglaublich, wie unsere Vorfahren früher gebaut haben: Das ist hier alles Hunderte Jahre alt und steht immer noch – und wir reißen heute Häuser nach 30 oder 40 Jahren wieder ab“, staunt ein Feuerwehrmann als er wenig später zwischen den gut 500 Jahre alten Eichenbalken im Glockenturm des Doms steht. Selbst die Weltkriegsbomben, die das Kirchenschiff einstürzen ließen, konnten diesen Hölzern nichts anhaben. Hinter einer Tür geht der Blick auf das Gewölbe der Kirche und den stählernen Dachstuhl – und spätestens da werden die Notre-Dame-Assoziationen wieder wach. „Der Stahl-Dachstuhl wurde nach den Kriegszerstörungen eingebaut“, sagt Dombaumeister Mayers. Das macht den Dom heute weniger angreifbar für einen Dachstuhlbrand. „Aber wenn es hier mal brennt, ist durch die Verformungen des Stahls gleich die gesamte Statik des Doms in Gefahr.“ Heißt für die Feuerwehr: Kühlen, kühlen, kühlen. Aber dann würde das viele Wasser im Kirchenschiff womöglich große Schäden anrichten.

Am Ende des Rundgangs ist Ehrfurcht zu spüren: Vor dem Werk von Baumeistern und Künstlern vergangener Jahrhunderte – und vor der Arbeit der Feuerwehrleute, die diese Kunst im Ernstfall unter schwersten Bedingungen schützen würden. Trotz aller Technik und Alarmpläne sind sich Feuerwehr- und Dom-Fachleute einig: Besser, man trifft sich auch die nächsten Jahre nur zu Trainings- und Info-Rundgängen.

Fachleute für die Sicherheit von Dom und Domschatz

Ralf Meyers

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Domschatz - Leitung

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Zwölfling 16
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